Climb & Fly mit dem Airdesign UFO vom Hohen Dachstein

VON HIKE&FLY.INFO · 28. February 2016

Mein Großvater legte vermutlich den Grundstein für meine heutige Bergleidenschaft, er nahm uns Enkel immer auf seinen Wanderungen in die heimatlichen Berge mit. Keine großen namhaften Berge, keine schwierige Touren, eigentlich nichts Besonderes. Für uns Kinder war es aber immer aufregend und ein Abenteuer. Ich wuchs heran und die Touren die ich machte wurden ebenfalls „größer“. Die Klettereien wurden schwerer, die Touren länger und sie beschränkten sich nicht nur mehr auf die warme Jahreszeit. Im Winter gibt’s Eis und auf Eis lässt es sich ebenfalls gut klettern. Mit den Jahren hatte ich dann einige große Klassiker in Fels und Eis gesammelt. Nahezu jedes kletterbare Wochenende verbrachte ich mit einem meiner Kletterpartner in irgendeiner Wand. Klettern wurde eine große Leidenschaft in meinem Leben, ich lebte fürs Klettern.

Durch eine berufliche Neuorientierung arbeitet ich oft an Wochenenden und  hatte dafür unter der Woche häufig frei. Kling ja prinzipiell nicht schlecht, aber leider hatten fast all meine Kletterpartner „Montag-Freitag“ Jobs… aus diesem Umstand entwickelte sich bei mir ein chronischer Mangel an Kletterpartnern. Ich machte einige Touren Free Solo aber das stellte für mich langfristig keine Lösung des Problems dar.

Was Neues musste her. Da ich auf meinem täglichen Weg zur Arbeit immer an der örtlichen Flugschule vorbeifuhr, dachte ich mir das ist einen Versuch wert. So begann ich mit dem Gleitschirmfliegen. Wenn ich unter der Woche Zeit  und wiedermal keinen Kletterpartnern habe würde, könnte ich mich frei wie ein Adler in die Lüfte schwingen und wenn einer meiner Kletterpartner Zeit hat, eben in einer Wand hängen. Super, Problem gelöst.

Doch rasch konnte ich mich der Faszination des Fliegens nicht mehr entziehen und immer öfter schwang ich mich auch an den Wochenenden in die Luft und genoss die Berge aus einer anderen Perspektive. Das Klettern geriet dabei zusehend in den Hintergrund.

Wie es der Zufall so will bot sich mir im Frühling dieses Jahres die Gelegenheit als Testpilot für ein das Thermik-Magazin tätig zu sein. Im Zuge dessen bekam ich einen ganz besonderen Gleitschirm zum Testen. Der Schirm trägt den Namen „Ultralight Flying Objekt“ kurz UFO und wurde vom Tiroler Gleitschirmhersteller AirDesign entwickelt. Das Besondere am UFO: der Schirm hat nur 1,7 kg, ein sensationell kleines Packmaß und für einen Schirm dieses Formates beeindruckende Flugeigenschaften.

Sofort machte sich Begeisterung in mir breit bei dem Gedanken dass man diesen Schirm auch zum Klettern mitnehmen könnte. Vom Packvolumen würde er in jeden Alpinrucksack passen und sein geringes Gewicht wär beim Klettern kaum störend.

Ich wollte diese Idee gleich in einer großen Wand umsetzten und habe dabei die Dachstein Südwand ins Auge gefasst. Ein Klassiker sollte es werden, der berühmte Steiner-Weg. Ich kenne die Tour gut, bin sie schon mehrmals und immer wieder gerne geklettert. Erinnerungen kommen hoch beim Gedanken an den Steiner. Das erste Mal als ich in die Tour einstieg mussten wir sie abbrechen, weil uns die Zeit davon lief, bei meiner letzten Besteigung benötigte ich und mein Kletterpartner für die 1000Klettermeter gerade mal 3h…so ändern sich die Zeiten.

Nach kurzer Planungsphase war es Anfang September so weit. Ich hatte frei, einen Kletterpartner und die Wetterprognose hätte nicht besser sein können.

Am Vortag fuhren mein langjähriger Kletterpartner Markus Pühretmayr und ich in die Ramsau und stiegen zur Dachstein Südwandhütte auf, die ideal gelegen ist als Stützpunkt für die Touren in der Südwand. Dort verbrachten wir einen gemütlich Hüttenabend, holten uns beim Hüttenwirt Andreas Perner die aktuellen Infos über die Wand und die Tour ein und mit fortschreitender Stunde schwelgten wir immer mehr in Erinnerungen vergangener Touren und Erlebnisse am Berg. Wie das halt so ist.

Nächsten Morgen brachen wir früh auf und zu unserer Überraschung schlug uns beim Verlassen der Hütte nicht die erwartete frische kühle Morgenluft entgegen sondern ein angenehm warmes sommerliches Lüftchen. Wir haben Anfang September und es herrschen angenehm laue Temperaturen. Zügig gingen wir zum Einstieg des Steinerweges. Das berüchtigte unangenehme Einstiegsschneefeld war aufgrund des heißen Sommers de facto nicht mehr vorhanden. Die Wand bäumte sich  imposant vor uns auf und hat an Faszination nichts eingebüßt. Wir Seilen uns an und steigen ein. Die Kletterei ist hier nicht wirklich schwer und so kommen wir gut voran, den Schirm im Rucksack merke ich kaum. Am Ende der Rampe machen wir eine kurze Pause und genießen den Rundblick. Eine atemberaubende Kulisse bietet sich uns, mitten in der weitläufigen Wand. 2h haben wir bis hierher gebraucht, wir liegen gut in der Zeit und steigen weiter. Der anspruchsvollere Teil der Tour liegt ja noch vor uns. Wir queren das berühmte Salzburgerband mit seinem atemberaubenden Tiefblick und steigen weiter in die Steinerkamine. Unglaublich, das die Steinerbrüder diese Tour vor über 100 Jahren Erstbegangen haben. In der Enge der Kamine empfinde ich den Rucksack das erste Mal als störend aber die Beeinträchtigung hält sich in Grenzen. Kaminklettern und Rucksack ist ja bekanntlich keine gute Kombination. Später im Schluchtüberhang ergeht es mir erneut so, ich greife in die dort hängende Schlinge und verhelfe mir „technisch“ über diese Stelle hinweg. Klassisches Alpinklettern eben ;-)

Ab hier wird die Kletterei dann wieder leichter und nach 6,5h in der weitläufigen Wand erreichen wir den Gipfel des Hohen Dachsteins.

Der geringe Platz am Gipfel erlaubt es leider nicht direkt von dort zu starten zu starten und so beginnen wir den Abstieg bis auf den Gletscher. Am Dachsteingletscher befindet sich der offizielle Startplatz, welcher nur Können vorbehalten ist und auch von den „X-Alps Piloten“ benutzt wird. Die Gleitschirmpiloten die ansonsten hier starten, kommen in der Regel bequem mit der Südwandbahn herauf.

Als wir dort ankommen sind die Verhältnisse perfekt. Die Windrichtung und -stärke könnten nicht besser sein, ein zartes Lüfterl weht die Südwand herauf. Die Startvorbereitungen mit dem Schirm sind schnell erledigt und es dauert keine 10 min. bis ich startklar bin. Ein letzter Blick auf den ausgelegten Schirm vor mir. Ein kurzer Zug an den A-Leinen, der Schirm hebt sich vom Boden und das UFO steht über mir. Ich drehe mich um und beginne den Startlauf. Mein Puls steigt und nach ein paar Schritten trägt mich mein „UFO“. Ich gleite über die Kante, spüre den Wind im Gesicht und die Südwand fällt mit einem mal hunderte Meter unter mir ab. Ich ziehe meine Kurven und gleite ruhig ein Stück die Wand entlang. Dabei kann ich noch andere Kletterer in der Wand ausmachen. Dann drehe ich ab und gleite Richtung Tal hinaus. Die Luft ist überraschend ruhig. Der Flug dauert ca. 20min. und ist purer Genuss. Ich habe mir in diesem Fall einen langen beschwerlichen Abstieg bzw. das Ticket für die Bahn erspart und ein wunderbares und unvergessliches Erlebnis gewonnen, dass den beeindruckenden Tag richtig schön abrundet.

Als Resümee kann ich sagen, „Climb and Glide“ lässt sich gut kombinieren. Das UFO ist der Schirm perfekte Schirm dafür. Er benötigt wenig Platz im Rucksack und das zusätzliche Volumen behindert eigentlich nur in Kaminen. Einen Platz zum Starten hat man schnell einmal gefunden und man erspart sich so einen oft langen Abstieg. Der Schirm ist besonders leicht zu starten, bei Starkwind kommt ihm die kleine Fläche zu Gute und bei Windstille oder Rückenwind sein geringes Gewicht. Trotz der kleinen Fläche die er hat trägt er überraschen schnell und sicher.

Es gibt sicher „Startfreundlichere“ Kletterberge als den Dachstein für Climb and Glide, wenn ich da zum Beispiel an den Kaibling und das Sparrafeld im Gesäuse denke. Mit dem UFO, meinem Gurtzeug und den Rettungsschirm komme ich auf ca. 3,5kg zusätzliches Gewicht zur Kletterausrüstung und es wäre möglich noch auf unter 3kg „abzuspecken“.

Mit diesem Projekt konnte ich meine zwei Leidenschaften perfekt verbinden und freue mich schon auf viele weitere Klettereien mit „gemütlichem“ Ausklang.

  

Weitere Informationen gibt es auf Thomas' Facebook-Seite unter:

https://m.facebook.com/Climb-and-Glide-176123146385/?ref=bookmarks

und seinen Sponsoren:

Air Design: http://www.ad-gliders.com/de/
Kortel: http://www.korteldesign.com/spip/index.php?lang=de
XCTracer: https://www.xctracer.com/


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