Mit Schi und Schirm auf den Gamsfeldkopf - Eine Ski&Fly-Tour

VON HARTMUT DÖRSCHLAG · 24. February 2015

 

Mitte Dezember 2013: vor 2 Monaten habe ich meinen ersten Flug gemacht. Heute steht mein 40. Flug an – und zugleich der erste mit Schi. Mit Hias, Freund und Paragleit-Legende aus dem Lammertal, steige ich über die Stuhlalm und die Angersteinrinne zum Gamsfeldkopf im Gosaukamm auf. Es ist wenig Schnee, genug zum Raufgehen, zu wenig zum Runterfahren. Unser Startplatz ist ca. 25 Grad steil und endlos lang. Wir legen den Schirm aus, rein in den Gurt und in die Schi. Hias gibt mir noch ein paar Tipps und ab geht es. Diesem Flug mit Schi sollen noch viele weitere in diesem schneearmen Winter folgen. Die Schitourengeher fluchen ob der schlechten Schneelage, ich komme bis Ende April auf weitere 80 Flüge, viele mit Schi.

Paragleiten und Schitourengehen – für viele ein Gegensatz. „Und was machst Du dann am Startplatz mit den Schiern?“ Das ist die Frage, die ich sogar von vielen Piloten höre. „Und vor dem Landen wirfst Du die Schi dann ab – oder?“ Sowas kommt aber nur von Nicht-Piloten.

Viele Schitouren sind geradezu ideal für’s „Schifliegen“ – nicht nur in schneearmen Wintern. Die Charakteristik vieler Schitouren ist sehr ähnlich: oben traumhafte Hänge, unten Waldgürtel, die nicht selten durch fast unfahrbare Gräben überwunden werden müssen. Rauf geht’s ja noch, aber runter … Als Paragleiter liegt es auf der Hand, hier das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden. Oben ein paar Hundert Höhenmeter im schönen Pulver, die unteren paar Hundert Höhenmeter mit dem Schirm.

Ausrüstung

Meine SkiAndFly-Ausrüstung unterscheidet sich nur minimal zur HikeAndFly-Ausrüstung. Fliege ich mit Schi, kommt noch folgendes dazu: Tourenschi (mit Fellen), anstatt von Lauf- oder Wanderschuhen eben die Tourenschischuhe und noch Pieps, Schaufel, Sonde. Der Beschleuniger bleibt zuhause. Die Bekleidung sollte natürlich temperaturgerecht sein – aber hier gibt es zu „normalen“ Winterflügen keinen Unterschied.

Immer wieder gibt es Diskussionen, welche Schi für’s Paragleiten am besten geeignet sind. Schi sind grundsätzlich zum Runterfahren gebaut. Und da wir beim Fliegen die Schi nur in Ausnahmefällen „widmungsgemäß“ verwenden, ist die Beantwortung nach dem richtigen Schi eine recht untergeordnete. Wenn ich SkiAndFly betreibe, habe ich mit Sicherheit einen Schitouren-Hintergrund (mehr dazu unter „Voraussetzungen“) und als solcher stehen in meinem Keller Tourenschi. Tourenschi sind immer ein Kompromiss zwischen optimalen Aufstiegsvoraussetzungen (was im Regelfall leichtes Gewicht bedeutet) und optimalen Abfahrtsvoraussetzungen. Habe ich mehrere Tourenschi im Keller, werde ich somit wohl zu den leichtesten greifen. Hier stellt sich die Frage, ob extreme Steilwandschi geeignet sind. Diese sind wesentlich kürzer als normale Tourenschi und somit natürlich oft leichter als diese. Ich persönlich würde davon eher abraten, da es beim Starten darum geht, möglichst schnell zu beschleunigen. Und hier sind, insbesondere bei Tiefschnee, so kurze Schi ein Nachteil.

Die meisten Schitourengeher verwenden Teleskop-Schistöcke. Die sind natürlich für’s Paragleiten ein Muss, da sie beim Fliegen in den Rucksack kommen. Die Gewichtsfetischisten unter uns kommen hier aber oft an die Grenzen der Verstaubarkeit, da minimal zusammen geschobene Teleskop-Schistöcke in einem 30-Liter-Rucksack oft gerade nicht mehr Platz finden. Optimal sind hier zerlegbare Schickstöcke (Klappstöcke), da diese wenigstens 4-teilig sind.

Noch ein Wort zur Bekleidung: Seit 2 Jahren sieht man bei Schitourengehern immer häufiger wattierte kurze Hosen, die beim Abfahren über der Schitourenhose getragen werden. Diese haben sich auch beim Winterfliegen sehr bewährt, da im Regelfall der Oberkörper durch eine Daunenjacke gut geschützt ist, der Bereich um das Becken ist dem Wind aber voll ausgesetzt.

Start- und Landeplatz

Es ist wesentlich einfacher, im Winter geeignete Start- und Landeplätze zu finden als im Sommer. Bei den Landeplätzen fällt im Winter die Problematik noch nicht gemähter Wiesen weg, bei Startplätzen die Problematik von Latschen und Geröllfeldern.

Viele Startplätze sind im Sommer von uns nur deshalb in bestimmte Richtungen nutzbar, da die anderen Richtungen Latschen oder Felsbröcke aufweisen, die ein Schirmauflegen nicht möglich machen. Im Winter sind diese „Störungen“ meist komplett unterm Schnee –uns erwartet dann eine gleichmäßige und homogene Schneedecke. Da beim Startvorgang im Winter ein Beschleunigen nicht in dem Maße möglich ist wie im Sommer, ist ein etwas steilerer Startplatz von Vorteil.

Auch die Auswahl an Landmöglichkeiten ist im Winter größer. Ein Landen mit Schi ist auch auf leicht abschüssigen Flächen sehrgut möglich. Generell ist der Landevorgang unproblematischer und unkomplizierter.



Start

Es gibt ein No-Go beim Fliegen mit Schi: das Steigen mit den Schiern auf die Leinen! Gerade neue Tourenschi weisen oft extrem scharfe Kanten auf. Und diese sind vermutlich in der Lage, sogar Dyneema-Leinen zu beschädigen. Die Schi also erst unmittelbar vor dem Start anschnallen!

Der Schirm wird wie immer aufgelegt. Da wir wohl meist auf sonnigen Hängen starten, ist der Schnee oft etwas patzig. Das ist geradezu ideal, um den Schirm zu fixieren.

Es gibt Piloten, die starten auch mit Schi rückwärts. Ich muss zugeben, dass ich das noch nie versucht habe. Beim ersten Flug wird man wohl vorwärts starten.

Der einzige Nachteil beim Start mit Schi ist, dass man keinen großen Druck aufbauen kann. Das kann insbesondere dann zu einem Problem werden, wenn der Wind etwas stärker ist. Ein Freund hat mir einen guten Tip gegeben: Starten wie ein Stier. Also ordentliche Vorlage. Je steiler das Gelände, desto geringer wird dieser Nachteil. Wenn der Schirm steht, kann eigentlich nichts mehr schief gehen, die Schi einfach laufen lassen. Fehlstarts mit Schi sind übrigens seltener als ohne Schi – vielleicht liegt das aber auch daran, dass im Winter die Verhältnisse ruhiger sind.

Noch zwei Tipps:

- Nicht vergessen, die Tourenschischuhe zu arretieren und insbesondere die Tourenschibindung auf Abfahrt zu stellen.

- Liegt am Startplatz (tiefer) Pulver, ist es empfehlenswert, die ersten 5 Meter der „Startbahn“ nieder zu treten.

Landung

Das Landen mit Schi ist, vorausgesetzt, es liegt Schnee, nicht nur einfacher sondern auch lustiger. Hat man genug Landefläche, wird man spätestens bei der zweiten Landung nicht mehr anbremsen, zu groß ist der Spaß, mit voller Geschwindigkeit aufzusetzen.

Klingt vielleicht etwas verrückt, aber ein Landen mit Schi ist auch ohne Schnee möglich – zumindest auf einer (nassen) Wiese. Hier ist ein sauberes Bremsen natürlich Bedingung.

Voraussetzungen

Auch wenn wir es als Piloten nicht so gerne hören: SkiAndFly ist in erster Linie eine Schitour und erst in zweiter Linie ein Flug. Rückt man mit Schirm und Schi aus, muss man zwingend die Voraussetzungen für einen Schitourengeher mitbringen.

Da heißt konkret:


•    ich kann mich im freien Gelände bewegen
•    ich setze mich mit dem Thema „Lawinen“ auseinander
•    ich kann eine Spur anlegen
•    ich kann den Schneedecken-Aufbau beurteilen
•    ich erkenne Gefahrenstellen
•    ich kann mit Pieps, Sonde und Schaufel umgehen
•    ich bringe die Bereitschaft mit, die Tour abzubrechen …

Und das gilt nicht nur deshalb, weil wir als Piloten auch durchaus in die Lage kommen können, mit den Schiern (und dem Schirm im Rucksack) wieder abzufahren, weil der Wind / die Verhältnisse nicht passen – es soll uns in unserem Fliegerlieben nichts Schlimmeres passieren. Teilweise können die Voraussetzungen entschärft werden, wenn man mit erfahrenden Tourengehern mit geht. Ziel sollte es aber auf jeden Fall sein, auch als Winterflieger ein „vollwertiger“ Tourengeher zu werden.

Der erste Flug

Es ist natürlich empfehlenswert, den ersten Flug nicht mit einer hoch anspruchsvollen Schitour zu beginnen. Als Einstieg eigenen sich Pseudo-Schitouren, wie z.B. das Zwölferhorn im Salzburger Seengebiet oder der Bischling im Salzburger Werfenweng. Hier sind die Startmöglichkeiten sehr gut und gelandet wird auf ausgewiesenen Landeplätzen. Um in das Thema gesund hineinwachsen zu können, ist es auf jeden Fall ratsam, den Aufstieg nicht mit der Gondel / dem Lift zu bewältigen. Es ist ein Unterschied, ob man auf den normalen Schitouren-Rucksack noch einen Gleitschirm mit rauf packt. Und an diesen Unterschied kann man sich am Rande bzw. im Umfeld einer Schipiste gefahrloser gewöhnen.

Das Auflegen an einer bereits ausgetretenen Stelle (wie z.B. auf einer Schipiste) ist, insbesondere bei Wind, u.U. eine nervenaufreibende Sache. Der Schnee ist glatt und somit verbläst es einen den Schirm wesentlich leichter.

Das erste Abheben mit Schi ist ein besonderes Erlebnis. Schön langsam den Bodenkontakt mit Schi an den Beinen zu verlieren, ist einfach toll.

Sobald man abgehoben hat, wir man es zu schätzen wissen, wenn man leichte Tourenschischuhe und leichte Tourenschi an den Beinen hat. Es ist ein Unterschied, ob an einem Bein 1,8 kg oder 4,5 kg nach unten ziehen –und man hat keinen Beschleuniger, an dem man die Beine abstützen kann.

Resümee

Es gibt keinen Grund, den Paragleiter im November einzupacken und erst im April wieder raus zu holen. Die Kombination von Schitour mit Paraflug ist keine Notlösung, es ist eine absolute Bereicherung für jeden Piloten, der auch Tourengeher ist. Und in Wintern, in denen wenig Schnee liegt, sind die Mundwinkel von uns Piloten im Gegensatz zu den Nur-Tourengehern stets oben!



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