Red Bull X-Alps 2015 - Interview mit Pascal Purin

VON HIKE&FLY.INFO · 1. July 2015

 

 

Während des Bewerbs müssen Strecken von mehr als 50 km zu Fuß zurück gelegt werden. Wie bereitet man sich im Vorfeld auf solche Laufstrecken vor?

Gute Schuhe sind wichtig!

Seit eineinhalb Jahren trainiere ich 6 mal pro Woche. Die ISAG - Sportmedizin & medizinische Leistungsdiagnostik hat mir diesen Plan erstellt und leisten mir die professionelle Begleitung und Unterstützung.  Augenmerk wurde auf Grundlagenausdauer gelegt, also der Bereich den ich bei den X-Alps am meisten brauche.  Es ist egal ob ich dann 30, 50 oder 100 km gehe vom Körper her sondern das entscheidet dann der Kopf.

 

Welches Schuhwerk wirst du für den Bewerb verwenden?         

Ich habe viele verschiedene Schuhe. Mein Partner ist Vibram und mit diesem Partner habe ich einen Schuh für den Berg, einen für die Straße und einen All-Round Schuh.

 

Worauf legst Du bei der Wahl des Schirms mehr wert? Leistung oder Sicherheit?

Mir ist ein All-Round Schirm wichtig mit guter Leistung – mit dem Triton hab ich den richtigen Flügel. Ich bin fliegerisch sehr gut drauf und habe da kein Problem.  Gegenübern einem Zweileiner kann ich besser am Berg oben hineinlanden.

 

Wie planst Du die Flugstrecke? Welche Schlüsselstellen werden genau unter die Lupe genommen? Bzw. wo vermutest Du Schlüsselstellen auf der Strecke.

Ich habe mir die Streck genau angeschaut mit Skyways und Tracks von anderen X-Alps Teilnehmern. Ein paar Talquerungen haben es wirklich in sich! Nach der Zugspitze Richtung Brenta kommen wir in ein sehr interessantes Gebiet – hohe Berge, enge Täler und viel Wind!  Mat hat natürlich einen Plan wie es gehen könnte aber schließlich und endlich wird es dann die Qualität des Tages entscheiden wo es genau hingeht.

 

 

Entscheidungsfähigkeit

 

Wie läuft die Entscheidung bei schlechten Startbedingungen am Berg ab: Analyse, Gefühl oder Hoffnung?

Wenn die Startbedingungen schlecht sind, kann es schon vorkommen dass man aus Faulheit sich in eine schwierige Flugsituation manövriert.

Ich habe das leider schon öfters erleben müssen dass ich dann gestartet bin und mir gedacht habe „FUCK das hat jetzt nicht sein müssen!“. Bei den X-Alps gilt es solche Situation zu vermeiden.

Aber es wird weniger der Windmesser entscheiden sondern eher das Bauchgefühl ob es noch machbar ist zu starten oder nicht.

 

Wie geht ihr mit subjektiven, also von euch selbst ausgehenden, Gefahren um? Z.B:. Erschöpfung , Selbstüberschätzung, Erfolgsdruck

Bereitet ihr euch darauf vor diese zu vermeiden, und wenn wie?

Alle X-Alps Teilnehmer haben sich mit Sporttherapeuten getroffen und wir sind zusammen genau solche Situationen durchgegangen.

Ich denke das ich durch das Testen mental eh gut aufgestellt bin aber wie das dann im Wettbewerb wirklich sein wird da bin ich schon gespannt!

Aber generell weiß ich das mir Red Bull keinen neuen Reifensatz für meinen Rollstuhl zahlt und deshalb will ich mich erst gar nicht dort hineinsetzten.

Also wenn da jemand vor mir startet und ich denke da anders drüber, dann lass ich ihn fliegen und er soll vor mir in Monaco sein, das ist mir egal.

Ich hab nach den X-Alps noch andere Sachen vor da brauch ich mich deswegen nicht umbringen.

 

Wie schnell könnt ihr zwischen stundenlangem gehen auf Flugmodus umschalten. Die Erfahrung zeigt, dass man beim gehen/laufen oft in einen gedankenfreien oder träumerischen Zustand kommt. Wie schaltest Du am Start auf 100%ige Konzentration um?

Laufen ist laufen und fliegen ist fliegen! Wie haben uns mit unserem Sprotpsychologen genau dafür Techniken angeeignet. Sobald man im Gurtzeug ist geht es ganz einfach um das Fliegen und man muss die Herausforderungen bewältigen die diese Situation mit sich bringen!

 

Wie wirkt sich Erschöpfung auf deine Reaktionsfähigkeit bzw. richtige Entscheidungsfähigkeit aus?

Ich fliege seit 17 Jahren und ich habe es intus, es ist wie gehen! Also ich glaube nicht, dass das ein Problem wird!

                

Supporter

 

Welche Beziehung hast du zu deinem Supporter? Warum hast Du Dich für deinen jetzigen Supporter entschieden? Gibt es da spezielle Kriterien?

Florian Ebenbichler ist mein Supporter und Trainer. Er hat Vermesser gelernt und ist psychologischer Krankenpfleger bei der Leistungsdiagnostik und ist natürlich Pilot. Er kennt sich super mit Wettkämpfen aus durch seine Profitätigkeit im österreichischen Nationalteam als Rennradfahrer. Er kennt mich und meine Maschine und wird mir während dem Rennen Pulsvorgaben geben. Ich bin gespannt wie er das gestalten wird, das weiß ich jetzt noch nicht so genau. X-Alps kann man sehr schlecht simulieren z.B. mit einem Halbmarathon. Denn man rennt ja nicht einfach nach Monaco und schaut wie es einem geht! Es wird spannend wie das dann ausschauen wird.

 

Der Daniel ein guter Freund, ist ein guter Pilot er wird mit mir öfters auf den Startplatz gehen und als Dummie rausstarten um mir zu zeigen ob die Thermik schon funktioniert. Und er übernimmt den ganzen technischen Support. Das heißt die ganze Geschichte filmerisch zu begleiten, sowie die Kommunikation mit Red Bull und dem taktischen Team das Zuhause vor den Computern sitzt.

 

Mein Freundin die Gabi macht uns die kulinarische Verpflegung – das ganze Team ist vegetarisch unterwegs.

 

Wie groß ist das Mitspracherecht Deines Supporters? Wenn z.b sehr grenzwertige Bedingungen herrschen, fragst du ihn nach seiner Meinung? Wie weit berücksichtigst Du diese Meinung?

Federführend bin immer ich, also der Pilot der am meisten Erfahrung hat. Aber wenn ich neben der Spur stehe dann werden sie eingreifen.

 

Thema Ernährung: Was wirst du während des Tages zu dir nehmen um dich fit zu halten bzw. wie schaut der Speiseplan für das Rennen aus? 

 

Ich bin seit 7 Jahren Vegetarier und ernähre mich deswegen von haus aus sehr vollwertig mit Gemüse, Linsen, Quinoa etc. Alles was dir Power gibt halt und die Spam Snacks werden eher weggelassen. 

 Mein Speiseplan wird sich also nicht ändern. Wichtig ist das es schmeckt, dann nimmt der Körper das auch eher auf obwohl man nach so einem anstrengendem Tag eigentlich nichts mehr essen will. Da habe ich gute Erfahrungen damit gemacht.

Wir werden auch darauf achten das wir genügend Flüssigkeit zu uns nehmen der Körper sehr viel  Stoffwechsel betreiben muss. Sodass ich um 6 oder 8 am Abend immer noch leistungsfähig sein kann. Ich will ja auch gesund aus den X-Alps wieder heimkehren, da ist das Trinken einfach ein sehr großes Thema.

 

 

Persönliches

 

Worauf freust Du dich Besonders?

Ich freu mich auf  diesen Grenzbereich von Schmerz und Erschöpfung, weil dann fahren die körpereigenen Drogen ein.  (Lacht!)

Die ganzen Gegenden in sich auf zu saugen sowie das Team in diesem Wettkapmfspirit zu spüren  - ich glaube das dass die wirklichen Geschenke der X-Alps sein werden.

 

Wo siehst Du deine persönlichen Stärken und Schwächen?

Flugtechnisch zähle ich mich im Starterfeld zu den Besseren, also wenn es bockig wird und es gilt noch Meter zu machen bin ich vorn dabei! Mein Defizit ist die Streckenflug Erfahrung – da wird mich der eine oder andere schon mal stehen lassen. Ich bin aber Sumo Sumarum gut aufgestellt in Sachen Equipment, Know-How über die Strecke, flugtechnische Skills und meiner Grundlagenausdauer.

 

Welches Ziel hast du dir persönlich gesteckt eine gute Platzierung oder eine bestimmt Zeit?

Ich glaube dass es schwer sein wird da vorne hinein zu fliegen und zu gehen aber man muss sich schon richtig anstrengen schneller zu sein als ich.

Ziel ist es gesund in Monaco innerhalb der Zeit an zu kommen – die Platzierung ist mir dabei nicht wo wichtig. Eine Top 10 Platzierung würde mich dennoch sehr glücklich machen. Aber wenn ich 15.  werde dann bricht für mich auch nicht die Welt zusammen! Also wenn ich dann 5. werde und ich aber durch den Wettkampfwahnsinn gar nichts mitbekommen wo ich überall vorbeigeflogen bin, dann war das für mich kein erfolgreiches X-Alps!

 

Tom de Dordolots hatte beim letzten Mal z.b immer seine Angel dabei.

Hast Du jetzt schon etwas von deiner Ausrüstung was du auf jeden Fall nicht missen möchtest? Leucotape, Kinesiotape,…

 

Ich werde mir ein Musikinstrument mitnehmen eine Maultrommel oder eine Rassel das mich irgendwie ablenken wird – eigentlich wollt ich mein Longboard mitnehmen aber das darf man ja nicht!


Dieser Artikel gefällt Dir? So kannst Du ihn Deinen Freunden empfehlen:



GLIDERHUB.COM

  • Das umfassende Verzeichnis für Gleitschirmschulen und Gleitschirm-reisen im deutschsprachigen Raum. gliderhub.com bietet die komplette Übersicht für Pilotinnen & Piloten und solche, die es erst noch werden wollen.

    Der gliderhub.com Blog berichtet regelmässig über Neuigkeiten aus der Gleitschirm-Szene.


    Mehr Info

Events & Termine 2018

  • 6/16/2 - 6/30/2
    Red Bull X-Alps

    8/17/2019
    outdoortrophy

    Mehr Info