Meine erste Hike&Fly Tour - Grundlagen der Tourenplanung

VON MIKE KREMER · 24. February 2015

Dieser Artikel befasst sich mit der Planung deiner ersten  Hike&Fly Touren. Die Ausführungen sind für individuelle Tourengeher als auch für Teilnehmer eine Gruppe von Nutzen. Im Vordergrund steht hier die Sicherheit aller Teilnehmer, Minimierung von Gefahren im alpine Gelände als auch das richtige Verhalten in der Natur.

Diese Guideline soll jedem Piloten die Risiken die mit dieser Kombination der zwei Sportarten verbunden sind auf zeigen. Wenn man sich nicht sicher ist, dann ist es immer die sicherer Variante sich einem Guide über eine Flugschule an zu schließen.

I. Der Mensch

Die erste Frage sollte sich jeder stellen: Mit wem unternehme ich diese Tour? Hier sind einige Faktoren zu beachten. An erster Stelle stehen die Bergerfahrung der Teilnehmer und das fliegerische Können. Ist der Startplatz für alle Teilnehmer zu meistern?

Sind alle Teilnehmer körperlich fit genug den Aufstieg zu bewältigen? Muss das Tempo der Gruppe angepasst werden? Als Regel gilt, daß man das Tempo dem schwächsten Glied der Kette anpasst. Somit bleibt die Gruppe zusammen und einer körperlichen Überanstrengung wird vorgebeugt.

II. Das Ziel

Als zweite Überlegung steht das Tourenziel. Welche Anforderungen und Schwierigkeitsgrad beinhaltet die geplante Tour? Diese Frage muss in 2 Aspekten beleuchtet werden, nämlich von der technischen und von der konditionellen Warte.

Bei den meisten Touren steigt man zwischen 500-900 Höhenmeter auf. Der Aufstieg führt z.B: auf Wanderwegen und man hat sich über den Verlauf bereits informiert.

Wenn man hingegen eine neue Tour gehen will sollte man bei der Recherche auf einige Herausforderungen achten.

Wie sind die Verhältnisse entsprechend der Jahreszeit und der Höhenlage? Und wie werden die Verhältnisse am Berg sein?

Liegt noch Schnee auf dem Weg oder werden Schneefelder gekreuzt? Muss dafür die Ausrüstung angepasst werden?

Wie wir ja wissen, kann sich das Wetter in alpinen Regionen sehr schnell ändern. Wie bei jedem Flug sind Wetter- und Windinfos ein zu hohlen.

Im Regelfall wenn man nicht alpine Routen beabsichtigt werden die folgenden Punkte wahrscheinlich nicht zutreffen. Aber sie sind dennoch zu beachten:

Beinhaltet der Aufstieg ungesicherte Kletterpassagen? Oder sind Teile des Aufstiegs nur mit einem Klettergurt sicher zu durchsteigen?   

 

III. Zeitplanung

Die Zeitplanung ist bei jeder Tour wichtig. Denn man möchte nicht zu spät im Tagesverlauf beim Startplatz ankommen um zu sehen dass der Bergwind bereits eingesetzt hat. Dies zwingt uns so manches mal den Abstieg zu Fuß und nicht fliegend in Kauf zu nehmen.

Also wie viel Zeit steht uns beim Aufstieg zur Verfügung? Es ist auch wichtig die Pausen und die Dauer der Pausen mit ein zu kalkulieren.

Wie kalkuliere ich nun die Gehzeit? (Berechnung in normaler „Wanderzeit“) Im Sommer rechnet man pro Stunde 300 HM und 3 Kilometer. Mit Hilfe einer Landkarte kann man die Gehzeit für bestimmte Tourenziele genau errechnen:  

Berechnung der Wegstrecke  

Berechnung der zurück gelegten Höhenmeter

Anschließend addiert man die Hälfte der Kürzeren Zeit zu der Längeren Zeit

GESAMTZEIT = LÄNGERE ZEIT + ½ DER KÜRZEREN ZEIT
Z.B. 600HM   = 2 STD
            3 KM = 1 STD    
GESAMTZEIT = 2h + ½ VON 1h = 2h 30min

Z.B. 300HM  = 1 STD
        9 KM    = 3 STD    
GESAMTZEIT = 3h + ½ VON 1h = 3h 30min

 

Diese Kalkulation stimmt für ein Tempo von normalen Wanderern – wenn man Hike&Fly als Workout betreibt kommt es schon vor das man 500 oder mehr HM pro Stunde mit einem schnelleren Tempo zurücklegt.

  

IV. Alpine Gefahren

Betreibt man Sport in den Bergen muss man sich der Eigenverantwortung bewusst sein. Es gibt objektive Gefahren die von der Natur ausgehen. Das Wetter kann unerwartet umschlagen und man ist Nebel oder Blitzschlag ausgesetzt.

Bei alpinen Klettertouren ist die Steinschlaggefahr allgegenwärtig. Ein Helm ist unbedingt erforderlich. Steinschlag kann durch das Ausschmelzen von Steinen mit der Tageserwärmung, von anderen Bergsteigern oder von Wildtieren ausgelöst werden.

Im brüchigen Gelände oder auf Schotterbändern sollte sich jeder mit größter Vorsicht bewegen und auf nachkommende Wanderer Rücksicht nehmen.

Weitere objektive Gefahren sind: GIFTPFLANZEN – WEIDETIERE MIT JUNGEN- GIFTSCHLANGEN- INSEKTEN

BÄCHE- SCHMELZWASSER- AUSRUTSCHGEFAHR-LAWINEN.

Vom Mensch selbst können allerdings auch Gefahren ausgehen. Subjektive Gefahren sind fehlende Erfahrung, unzureichendes Können, mangelnde Kondition, falsche oder unzureichende Ausrüstung und die Überschätzung der eigenen Fähigkeiten.

Der Gesundheitszustand und die Kondition sind die Basis eines jeden Sportlers, dazu kommt die Tagesverfassung. Wenn man alleine oder mit Freunden unterwegs ist haltet man sich eher an Pausen und ist weniger Gruppendruck und Selbstüberschätzung ausgeliefert.

Anbei ein Auszug der Unfallstatistik des Alpenvereins:

UNFALLURSACHE NR.1:  über 50% aller Alpiner Unfälle resultieren aus: STOLPERN, AUSRUTSCHEN UND ABSTURZ

UNFALLURSACHE NR.2:  ca. 25% aller Alpiner Unfälle resultieren aus: ERSCHÖPFUNG, HERZKREISLAUFPROBLEME, ÜBERLASTUNG

UNFALLURSACHE NR.3: der Rest aller Alpiner Unfälle resultieren aus: VERSTEIGEN, ORIENTIERUNGSVERLUST, STEINSCHLAG, BLITZSCHLAG, UNTERKÜHLUNG, HITZSCHLAG

 30% aller Alpintoten verunglückten beim Wandern
- Mehr als 55% aller Verunfallten Wanderer waren männlich!
- Gefärdet für plötzliche Herztod sind (männliche) Personen ab 35 Jahren:
mit erhötem Blutdruck
mit erhötem Cholesterin
mit Zuckkrankheit und Übergewicht!
-Besonders oft verunfallten Wanderer die älter als 40 Jahre alt sind


Deshalb sind folgende Grundsätze der Unfallkunde zu beachten:

1. GEFAHR ERKENNEN:
Absturz gefährdetes Gelände, Wetterumschwung, zu unwegsames Gelände zum Starten, Personen mit Risikofaktoren

2. DIE GEFAHR EINSCHÄTZEN:
Wahrscheinlichkeit, daß eines der genannten Ereignisse eintritt

3. ENTSCHEIDEN:
VERZICHT ODER VERSUCH
ABBRUCH ODER BEINBRUCH

Das wichtigste bei jeder Unternehmung in der Natur ist die Freude die wir durch unsere Erfahrungen ins Tal mitnehmen dürfen. Respektiere die Natur und Du wirst reich beschenkt werden.

Wir wünschen allen Hikeandfly.info Piloten eine wunderbare Zeit in den Bergen!

 


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