X-Alps-Teilnehmer Gerald Gold im Interview!

VON HIKE&FLY.INFO · 24. February 2015

Vorbereitung

Während des Bewerbs müssen Strecken von mehr als 50 km zu Fuß zurück gelegt werden. Wie bereitet man sich im Vorfeld auf solche Laufstrecken vor?

Laufen ist ein ganz wesentlicher Teil meines Trainings. Allerdings ist es in der Tat schwierig sich auf die sehr langen Laufstrecken vorzubereiten. Neben dem praktisch täglichen Lauftraining plane ich noch 2x1 Woche mit sehr langen Märschen. Bei diversen Walk and Fly Bewerben konnte ich schon einige Male Strecken von über 100km zurücklegen. Daher weiß ich dass das zumindest für den Anfang des Bewerbs ganz gut funktionieren sollte. Wie die Sache dann natürlich nach mehreren Tagen aussieht ist etwas anderes.

Orientierst du dich an deinem Puls? Wenn ja in welchen Pulsbereich bist du deiner Meinung nach am leistungsfähigstem? Oder ist das reine Gefühlssache?

Im Training orientiere ich mich am Puls. Die Pulsbereiche unterscheiden sich aber je nach Aktivität sehr. Generell absolviere ich ein klassisches Ausdauertraining mit Laufen, Ergometer und Berggehen. Die meiste Zeit wird dabei in relativ niedrigen Pulsbereichen trainiert. Der optimale Pulsbereich wird mit regelmäßigen Laktattests bestimmt. Das Gefühl spiegelt das mittlerweile recht gut wieder. Man spürt mit der Zeit einfach wie hoch der Puls sein darf und ab welchem Wert man nicht mehr zulegen sollte.

 

Welches Schuhwerk wirst du für den Bewerb verwenden?

Die Schuhe sind natürlich ein ganz entscheidender Faktor. Bei meinen bisherigen Walk and Fly Bewerben habe ich immer versucht so oft wie möglich die Schuhe zu wechseln. Das werde ich sicher auch beim X-Alps so handhaben. Jeder Schuh drückt an einer anderen Stelle, so beugt man Blasen ganz gut vor und reduziert die Schmerzen in den Füßen ein wenig. Noch habe ich nicht alle Schuhe zusammen aber es werden jedenfalls 1 Paar Walking Schuhe, 1 Paar Laufschuhe, 2 Paar Trailrunning Schuhe, 1 Paar leichte Bergschuhe und 1 Paar schwere Bergschuhe mit dabei sein. Außerdem: jede Menge Blasenpflaster – wichtig dabei ist, dass man sie schon aufklebt bevor die Blasen kommen. Dazu muss man natürlich wissen an welchen Stellen man leicht Blasen bekommt.

Worauf legst Du bei der Wahl des Schirms mehr wert? Leistung oder Sicherheit?

Natürlich muss die Balance stimmen. Ich würde mich aber eher als jemanden einschätzen der eher einen sichereren Schirm als das heißeste Teil nimmt.


Entscheidungsfähigkeit

Wie läuft die Entscheidung bei schlechten Startbedingungen am Berg ab: Analyse, Gefühl oder Hoffnung?

Ich denke die Analyse der Lage sollte im Vordergrund stehen. Möglichst alle Faktoren identifizieren und diese dann abwiegen. Die Frage der Wetterentwicklung (Windrichtung, Windstärke,…) ist natürlich nie zweifelsfrei vorherzusagen, aber aus Wetterbericht und Beobachtung ergibt sich meist ein Gefühl. Dieser Gefühlsfaktor fließt natürlich in die Analyse mit ein, stellt aber nur einen Teil davon dar. Entscheidungen versuche ich gemeinsam mit meinem Supporter aber möglichst ohne Gefühl zu treffen. Im Zweifelsfall: Deadline setzen!

Wie geht ihr mit subjektiven, also von euch selbst ausgehenden, Gefahren um? Z.B:. Erschöpfung , Selbstüberschätzung, Erfolgsdruck. Bereitet ihr euch darauf vor diese zu vermeiden, und wenn wie?

Wir stecken uns, was das Ergebnis betrifft, kein bestimmtes Ziel. Daher sollte sich der Erfolgsdruck in Grenzen halten. Was die Selbstüberschätzung betrifft, denke ich dass ich nach nun ca. 15 Jahren Flugerfahrung einschätzen kann was ich kann und was nicht. Natürlich neigt man bei Wettbewerben dazu mal etwas weiter zu gehen. Ich denke generell aber eher zu den vorsichtigeren Piloten zu gehören. Wenn ich also dann wirklich mal etwas weiter gehe als sonst, sollte das noch im akzeptablen Bereich sein.

Wie das mit der Erschöpfung werden wird kann ich wohl noch nicht vorhersagen. Ich hoffe jedenfalls, dass die nun doch relativ lange Nachtruhe von 6,5 Stunden ausreicht um mich zumindest geistig so weit zu erholen, dass ein relativ sicheres Fliegen möglich ist.

Wie schnell könnt ihr zwischen stundenlangem gehen auf Flugmodus umschalten?

Die Erfahrung zeigt, dass man beim gehen/laufen oft in einen gedankenfreien oder träumerischen Zustand kommt.

Wie schaltest Du am Start auf 100%ige Konzentration um?

Beim Gehen in der Ebene verfalle ich öfters in diesen träumerischen Zustand. Beim Bergaufgehen vergeht das aber bei mir sehr schnell, sodass ich mich schon beim Anstieg auf den Flug vorbereite. Mit den letzten Handgriffen vor dem Start ist bin ich dann wirklich bei der Sache.

Wie wirkt sich Erschöpfung auf deine Reaktionsfähigkeit bzw. richtige Entscheidungsfähigkeit aus?

Bei den bisherigen Bewerben war das kein Problem. Vorhersagen wie sich das nach Tagen der Anstrengung beim X-Alps auswirken wird traue ich mir noch keine zu machen. Ich hoffe nicht zu große.


Supporter

Welche Beziehung hast du zu deinem Supporter?
Warum hast Du Dich für deinen jetzigen Supporter entschieden? Gibt es da spezielle Kriterien?

Othmar begleitet mich schon seit 5 Jahren bei Walk and Fly Bewerben. Er ist selbst Gleitschirmpilot und körperlich in sehr guter Verfassung. Viele Kriterien spielen eine Rolle, aber ich denke das wichtigste ist, dass wir beide begeistert von der Sache sind und uns als das Team sehen.

 


Wie groß ist das Mitspracherecht Deines Supporters? Wenn z.B. sehr grenzwertige Bedingungen herrschen, fragst du ihn nach seiner Meinung? Wie weit berücksichtigst Du diese Meinung?

Ich verfüge über mehr Flugerfahrung als Othmar, weshalb es schon mal vorkommt, dass Othmar sagt er würde nicht mehr starten. Entscheidender ist allerdings, dass wir gemeinsam die Faktoren besprechen können die in der jeweiligen Situation gegeben sind. Allein übersieht man doch öfters mal was. Insofern geht seine Meinung auf jeden Fall in eine Entscheidung mit ein.

Thema Ernährung: Was wirst du während des Tages zu dir nehmen um dich fit zu halten bzw. wie schaut der Speiseplan für das Rennen aus?

Wir sind gerade dabei verschiedene Produkte und Speisen für die X-Alps zusammenzustellen und zu testen. Diverse Flüssignahrungsprodukte und hochenergetische Riegel, die man auch gut beim Fliegen zu sich nehmen kann werden aber sicher dabei sein. Nudeln in verschiedenen Variationen gibt’s selbstverständlich auch.


Persönliches

Worauf freust Du dich Besonders?

Eigentlich auf den Bewerb als Ganzes mit all seinen Facetten (Start in Salzburg, die vielen Leute am Gaisberg, Dachstein – sofern das wieder ein Wendepunkt ist) Am meisten aber auf das unglaubliche Glücksgefühl wenn mir ein richtig toller Flug gelingen sollte.

Wo siehst Du deine persönlichen Stärken und Schwächen?

Aus der bisherigen Erfahrung würde ich sagen, dass es eine Stärke von mir ist bei mäßigen Flugbedingungen doch ganz passable Flüge zu machen. Als Schwäche im Vergleich zu den meisten anderen Teilnehmern würde mal meine Ausdauer sehen. Viele von denen Laufen sicher schneller und machen mehr Höhenmeter pro Stunde. Genau aus diesem Grund ist mein Training aber auch sehr auf diese Punkte ausgerichtet, sodass diese Schwäche hoffentlich nicht zu groß wird.
Wahrscheinlich kommt es dann aber ohnehin anders als ich das jetzt sehe.

Welches Ziel hast du dir persönlich gesteckt eine gute Platzierung oder eine bestimmt Zeit?

Das einzige Ziel welches wir uns wirklich gesteckt haben, ist nicht vorzeitig aus dem Rennen genommen zu werden und keine Luftraumverletzung zu begehen.

Tom de Dordolots hatte beim letzten Mal z.b immer seine Angel dabei. Hast Du jetzt schon etwas von deiner Ausrüstung was du auf jeden Fall nicht missen möchtest? Leucotape, Kinesiotape,…

Mein Handy mit der MP3 Sammlung drauf. Musik verkürzt die Zeit beim Gehen, motiviert und lässt einen manchmal sogar die Schmerzen vergessen.


Hier erfährst Du mehr über Gerald Gold:

Facebook Seite: www.facebook.com/xalps2015aut2
Homepage www.upinthesky.at


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